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Ethik Gesetzesentwurf: Faßmann macht Religionsunterricht zum Pflichtfach

28. Mai 2020 | 0 Comments
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Ethik Gesetzesentwurf: Faßmann macht Religionsunterricht zum Pflichtfach

Seit dem 22.05.2020 ist der neue Gesetzesentwurf in Begutachtung, also Zeit, diesen einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Wir werden den Entwurf in mehreren Artikel analysieren.

Eines vorweg: Wir, die Atheisten Österreichsehen den Ethikunterricht als alternativlos an und kämpfen dafür, dass dieser den Religionsunterricht auf Dauer komplett ersetzt. Der neue Gesetzesentwurf scheint nach dem aktuellen Stand das genaue Gegenteil bewirken zu wollen. Gleich der erste Änderungsantrag holt zum Schlag gegen alle kritischen Geister aus, was wir nachstehend gleich erläutern werden:  

1. In § 8 lit. h wird nach dem Wort „Beurteilung“ die Wendung „- außer wenn ein Gegenstand für zumindest einen Teil der Schülerinnen und Schüler der gleichen Schulstufe Pflichtgegenstand ist -“ eingefügt. 

Religion wird für jeden, der teilnimmt, Pflichtgegenstand

Um diesen Gesetzestext richtig einordnen zu können, müssen wir etwas ausholen. Bisher ist die Regelung so, dass die Note des Religionsunterrichts in den Notendurchschnitt der Zeugnisse aller staatlichen Schulen (inkl. Tiroler und Vorarlberger Berufsschulen) einfließt, sofern der Schüler auch dieser Konfession angehört. Heißt: Für Schüler mit einem anderen bzw. keinem Bekenntnis hatte die Religionsnote keine Auswirkung auf das Zeugnis. Das ändert sich mit diesem Text jedoch für ALLE SchultypenDas bedeutet, auch jemand ohne oder mit einem anderen Bekenntnis muss sich um eine gute Religionsnote bemühen, um den eigenen Notendurchschnitt nicht zu gefährden. Der alternative Ethikunterricht wird erst ab der 9. Schulstufe angeboten. 


Diese Änderung wirkt sich auf alle Freigegenstände aus und geht damit über Ethik und Religion hinaus.

Ethikunterricht im Vergleich zum Religionsunterricht nicht attraktiv

Der Religionsunterricht baut somit Druck auf kritische Geister ohne bzw. mit einem anderen Bekenntnis auf, die sich in ebenjenen Unterricht verirren. Dass fortwährend kritische Fragen einer guten Note eher abträglich sein könnten, ist durchaus anzunehmen. Wir gehen außerdem davon aus, dass es im künftigen Ethikunterricht zu Tests und Prüfungen kommen wird. Falls in Religion nicht so streng geprüft wird (wie es vielerorts die Praxis ist, um möglichst viele Teilnehmer zu haben), würde also einem Schüler ein Gegenstand mit Prüfungen gegen einen mit einer „geschenkten“ Note zur Auswahl gestellt. Ein 15-Jähriger würde hier wahrscheinlich nicht zweimal überlegen. Der Religionsunterricht wäre damit weit attraktiver als der Ethikunterricht. Es ist auch davon auszugehen, dass Religionslehrer mehr in ihren Unterricht investieren, aber nur soweit, dass der Vorteil gewahrt bliebe, was wiederum ein Nachteil für kritische Geister wäre. 

Starke Diskriminierung gegen Religionsabmelder

Ein weiterer problematischer Punkt steckt im folgenden Gesetzestext: 

(..) Sind weniger als zehn Schülerinnen oder Schüler einer Klasse zur Teilnahme am Ethikunterricht verpflichtet, so sind sie zunächst mit Schülerinnen oder Schülern anderer Klassen der gleichen Schulstufe, dann anderer Klassen der Schule und schließlich anderer Schulen zusammenzuziehen, bis die Zahl mehr als zehn beträgt. 

Durch diesen Text werden Schüler gezwungen, sofern sie auf den Ethikunterricht bestehen, sich womöglich zu anderen Schulen zu bewegen, um den Ethikunterricht besuchen zu können. Ein Schüler eines Tiroler Bergdorfes müsste sich also bei zu geringer Teilnehmeranzahl in die zig Kilometer weiter entfernte Schule aufmachen, oder er/sie besucht den Religionsunterricht. Sollte die Mindestanzahl beim Religionsunterricht unterschritten werden, gibt es nur eine Unterrichtsstunde statt zwei und keine kilometerweite Fahrt, falls sie nicht vertretbar ist. Betroffene Schüler werden hier durch die Hintertür gezwungen, den Religionsunterricht zu besuchen. 

Gesetzesentwurf ist eine Farce

Der Gesetzesentwurf untergräbt viele Bemühungen säkularer Organisationen in Österreich und zeigt auf, dass es in unserem Land keine wirkliche Trennung zwischen Staat und Religion gibt. Nebenbei wird jedem Ethik-Befürworter mit dem Argument ein Maulkorb aufgesetzt, dass es ja eh einen Ethikunterricht gibt.  

  

Die Art und Weise, wie man hier vorgehen möchte, ist äußerst bedauernswert. 

Zu diesem Thema planen wir eine größere Kampagne. In den nächsten Tagen wird es dazu mehr Informationen geben. Besucht regelmäßig unsere Kanäle, um nichts zu verpassen:

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Du willst etwas unternehmen? Bitte nimm dir kurz Zeit, dieses Ethik-Volksbegehren zu unterschreiben: https://www.ethikfueralle.at/ 

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Dustin

About Dustin

Der Obmann des Vereins ist vom Baujahr 97 und ein gelernter Mechatroniker und IT-Techniker. Neben der Verwaltung des Vereins "Atheisten Österreich" trainiert er in seiner Freizeit auch die U8 des örtlichen Fußballvereins.

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