Offener Brief zu den fehlenden Maßnahmen bei Gottesdiensten

Offener Brief zu den fehlenden Maßnahmen bei Gottesdiensten 1

Werte Bundesregierung, 
Bundeskanzler Kurz, 
Gesundheitsminister Anschober, 

 

wie wohl die meisten Österreicherinnen und Österreicher haben auch wir in diesen Stunden aufmerksam die Medienberichte und Pressekonferenzen verfolgt, in denen weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie angekündigt und präsentiert wurden. 

 

Wir unterstützen diese Maßnahmen und appellieren an die österreichische Bevölkerung, diese einzuhalten und ernst zu nehmen, um diesen Beginn einer zweiten Welle möglichst effektiv zu begrenzen. 

 

Effektive Eindämmung ist nun aber bereits jenes Stichwort, das uns zu diesem offenen Brief veranlasst. Sieht man sich den bisherigen Verlauf der Ausbreitung in Österreich an, um aus der Vergangenheit zu lernen, so fällt auf, dass Infektionen sehr häufig an Orten auftreten, an denen viele Menschen auf engem Raum sind – was durchaus logisch erscheint. Nicht umsonst wurden nun abermals Theater, Museen, Gastronomie und ein Teil der Schulen geschlossen. Weiters werden konsequent Veranstaltungen abgesagt, Familientreffen und private Zusammenkünfte verboten. 

 
Man erkläre an dieser Stelle also bitte, mit welchen Argumenten es zu vertreten ist, dass es nun ausgerechnet die Gotteshäuser sein sollen, die ihren Betrieb zwar mit Auflagen, aber im Übrigen ungehindert fortführen dürfenSind Kirchen denn kein Ort, an dem viele Menschen auf begrenztem Raum zusammenkommen? Was unterscheidet einen Gottesdienst von all den Veranstaltungen, die abgesagt werden müssen? Gerade religiöse Veranstaltungen gehören immer wieder zu den Superspreadern. Während Künstler, Schauspieler, Regisseure, Bühnen-, Ton– und Lichttechniker und viele mehr, die mit Veranstaltungen und Kultur ihr tägliches Brot verdienen, nun wieder um ihre Existenz bangen müssen und angewiesen auf die als “rasch und unbürokratisch” ausgewiesene staatliche Notunterstützung sindbrauchen Geistliche in Zeiten ohne wöchentlichen Gottesdienst wohl keinesfalls um ihr Überleben zu bangen. Wo in Schulen, Universitäten und im allgemeinen Berufsleben auf Digitalisierung und Liveübertragungen über das Internet gesetzt wird, soll ausgerechnet im Bereich der Religionsausübung persönliche Anwesenheit erlaubt sein, um ein Bedürfnis zu befriedigen, das nicht nur kein Grundbedürfnis darstellt, sondern dessen Befriedigung nicht ortsgebunden ist, ist der Allmächtige doch schließlich immer und überall.  

 

Bitte überlegen Sie sich, wie Sie zum Schutz der Gottesdienstbesuchervon denen viele demografisch in die Risikogruppe fallen, beitragen können, indem Sie Auflagen für Gottesdienste und religiöse Aktivitäten erlassen, die mit anderen Bereichen vergleichbar sind! Die Bevorzugung spezifischer Gruppen ist aktuell weder pandemiestrategisch noch politisch ratsam. Denn je mehr Cluster und Infektionen es gibt, umso länger muss die restliche Bevölkerung mit schweren Einschnitten leben, gegen die sich ohnehin schon Widerstand regt, und umso mehr werden Krankenhäuser belastet. 

 

In Zeiten wie diesen sehen wir die Bundesregierung – allen voran jedoch den Gesundheitsminister – in der Verantwortung, rational und faktenbezogen zu agieren, was bedeutet, sein Tun und Handeln zum Wohl der Allgemeinheit von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten zu lassen, statt in falsch verstandener Rücksicht auf die religiösen Bedürfnisse Einzelner weitere unnötige Cluster zuzulassen, deren Opfer sich nicht auf die jeweilige Gruppe religiöser Anhänger beschränken werden. 

 

Verein Atheisten Österreich 

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Gerhard Bobleter

Vielen Dank für diese Brief. Die ewige
Bevorteilung von Politik und Gesellschaft und grenzenlose Ungleichheit in der Behandlung und Sicht auf Gläubige und jenen die verstehen was wirklich passierte muss aufhoren