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Outreach Veranstaltung : „Jesus ist der einzige Weg in den Himmel“

20. Juli 2019 | 1 Comment

Es war 17:00 Uhr. Am Stock im Eisen Platz konnte man bereits die eindeutigen Schilder und Symbole der Outreach Veranstaltung sehen: Es wurde ein Türrahmen aufgestellt, und auf der Tür Stand „Jesus ist der einzige Weg in den Himmel“ Kreativ sind sie ja, das muss man ihnen lassen. Auf einem anderen Schild stand: „Fahrkarten fürs Himmelreich“. Die Outreach Veranstaltung wurde von einer Gruppe freier Christen abgehalten. Sie bezeichnen ihre Glaubensrichtung auch offiziell nicht als Religion, sondern sie verehren halt Jesus, was für mich zwar Religion ist, aber egal. Laut Aussagen der Teilnehmer finden sie die katholische Variante nicht richtig und haben auch keine Marienverehrung, eben nur Jesus.

Umrahmt wurde das ganze Schauspiel durch erhebende Musik aus der Anlage. In regelmäßigen Abständen predigte ein junger Mann, etwa Mitte Zwanzig, wie ein Motivationstrainer und sehr emotionalisierend. Zwischendurch wurden auch einschlägige Musikstücke gespielt und gesungen.

Sie sagen: Die Erde ist 6000 Jahre alt

Währenddessen habe ich mich mit mehreren Leuten unterhalten und in erster Linie Fragen gestellt. Alle haben mir vermittelt, dass sie die wörtliche Auslegung der Bibel glauben, also alles mit Adam, Eva, Erde ist 6000 Jahre alt, …

Innerhalb von vier Stunden haben wir eine Vielzahl an Themen besprochen, ein zentrales davon war Leid. Deren Ansicht war es, dass es aufgrund der Schuld und Sündigkeit der Menschheit gerechtfertigt sei, und es wegen der Himmelsoption dann eh Gerechtigkeit gibt.

Ich fragte auch, warum bei Unglauben einem Menschen dann die Hölle droht, weil genau das impliziert ihr „Jesus ist der einzige Weg…“-Schild. Einer der Teilnehmer meinte, dass man als Ungläubiger dann eben nur nach seinen Taten gerichtet würde. Länger dauerte die Diskussion darüber, inwieweit es in meinem Einflussbereich liegt, mich für eine Religion zu entscheiden, bzw. mich dafür zu überzeugen. Beispiel: Wenn ich Käse nicht mag, kann ich nicht durch eigene Willenskraft zum Käseliebhaber werden. Wenn ich für gewöhnlich Partei X wähle, kann ich mich nicht aktiv für Partei Y überzeugen. Ich kann mich der Situation aktiv aussetzen, mir das Parteiprogramm anschauen, und dann sehen, wie ich darauf reagiere, aber hier endet mein Einflussbereich. Das verstanden meine Diskussionspartner auch. Dann fragte ich, ob ich denn mich einfach unterwerfen solle, einfach weil die Autorität Gottes mit seiner Macht legitimiert wird, also er bestimmt einfach, weil er es kann, nicht weil es aufgrund ethischer Abwägung einleuchtend wäre. Dass ich mich eben nur unterwerfe, um der Hölle zu entgehen. Das wurde dann aber von ihnen als Heuchelei bezeichnet. Schlussendlich kamen wir bei dieser Frage auf keinen grünen Zweig.

Sympathisch, jung und dynamisch aber mit viel Schatten

Die Teilnehmer und Redner waren alle sehr sympathisch, jung und dynamisch. Leute mit denen sich viele sicher sehr schnell und leicht anfreunden. Wenn man aber dann auf ihre dezidiert konservativen Ansichten stößt, möchte man als ungläubiger Humanist und Atheist als Erstreaktion nur mal den Kopf schütteln, bei allem Respekt.

Lange wurde von ihrer Seite her versucht, mir den Wahrheitsgehalt der Bibel und die historische Belegtheit der Existenz Jesu nahezubringen, ohne Erfolg. Bei allen Behauptungen wies ich die Teilnehmer darauf hin, dass diese keine Beweise seien, weil es nicht die einzig mögliche Erklärung sei. Sie meinten, man müsse um die Gnade der Erkenntnis dieser angeblichen Wahrheit beten, nur ich konnte nicht nachvollziehen warum ich das tun sollte bzw. das wollen würde. Es ist doch ein Widerspruch in sich, jemanden für die Erkenntnis von der Existenz desselben zu bitten. Warum soll ich etwas anbeten, damit es sich mir zeigt, wo ich ja nicht mal davon ausgehe, dass dieses Wesen existiert.

Sie haben mir angeboten für mich zu beten.

Langsam haben sich dann auch mehrere Organisatoren der Outreach-Veranstaltung um mich versammelt und mit mir gesprochen. Als sie an dem Punkt angekommen waren, an dem sie erkannten, dass sie mit ihren Behauptungen bei mir nicht mehr auf fruchtbaren Boden stoßen, haben sie mir angeboten, für mich hier auf der Stelle gemeinsam zu beten, auf dass ich Erkenntnis erlangen solle. Man konnte diesen Leuten gar nicht böse sein, da sie wie erwähnt sehr sympathisch und freundlich waren, ihre Ansichten dagegen widerstrebten mir radikal, das war eine eigenartige Situation.

Ich bedankte mich und meinte, dass ich weiß, dass sie es nur gut meinen, aber ich sehr darin keinen Sinn sehe und es ist für mich gleichwertig mit einem Regentanz – warum sollte ich das machen? Zweimal habe ich das Angebot dankend abgelehnt, den dritten Versuch hat sich eine Dame nicht nehmen lassen und hat ungefragt angefangen ein Gebet zu murmeln. Hab mir gedacht: „Gut, dann lass ich sie mal, solange sie es dezent macht und es nur ein paar Sekunden dauert.“

Zum Schluss habe ich einem der Teilnehmer noch das Buch „Die Legende von der christlichen Moral“ von Dr. Andreas Edmüller empfohlen, was ich an dieser Stelle auch jedem anderen ebenso nahelegen kann.

Der Teilnehmer hat das interessiert aufgenommen und gleich ein Foto von diesem Buch gemacht, da ich es gerade dabeihatte.

Es waren ein paar sehr interessante Stunden, obwohl ich währenddessen immer wieder metaphorisch gegen eine Betonwand gelaufen bin, was aber vorhersehbar war. Jedenfalls war es eine spannende Get-out-of-your-comfort-zone-Erfahrung.

Dieser Text wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Josef Messirek.
Josef ist Vereinsmitglied bei Atheisten Österreich. Wir bedanken uns an dieser Stelle doppelt und dreifach.

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Wilfried Apfalter
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Vielen Dank für diesen informativen und lebendigen Bericht!