Warum Astrologie Unsinn ist.

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Im folgenden Text werden einige von Astrologen häufig geäußerte Meinungen und Behauptungen zitiert. Darauf folgen Entgegnungen von einschlägiger wissenschaftlicher Seite, die uns von Dr. Ronald Weinberger zur Verfügung gestellt wurden.


Behauptung 1: „Astrologie und Astronomie sind Wissenschaften, die vieles verbindet und die sich den kosmischen Wirkungen bzw. Entsprechungen, in verschiedener Weise, stellen.“

 

Astrologie erfüllt nicht die Normen, die an eine Wissenschaft gestellt werden. Sie wird von den Himmelsfachleuten, den Astronomen (die ein vieljähriges Universitätsstudium zu absolvieren haben), einhellig abgelehnt. Astronomen bezeichnen Astrologie als Aberglauben. Dass vor Jahrhunderten einige Astronomen auch astrologisch tätig waren (Bsp.: Kepler, dieser – laut eigenen Aussagen – zwecks Broterwerbes) ist kein Gegenargument. Astronomen verbieten sich, in einen Topf mit Astrologen geworfen zu werden.

 


Behauptung 2: „Astrologie ist uralt, spiegelt einen großen, unveränderten, unwiderlegbaren Erfahrungsschatz der Menschen wider.“

 

Die Wurzeln sind wohl uralt (4000-5000 Jahre), die heute fast ausschließlich verwendeten Individualhoroskope haben sich jedoch erst im Hellenismus (d.h. in den Jahrhunderten um den Beginn der christlichen Zeitrechnung) entwickelt. Astrologische Regeln sind teilweise erst im Mittelalter entstanden (z.B. durch die Drucklegung des „Tetrabiblos“ von Ptolemäus, ab 1484). Vor einem Jahrhundert schien in Europa die Astrologie weitgehend „ausgestorben“.

 


Behauptung 3: „Astrologie ist eine einheitliche, allgemein gültige Lehre“.

 

Im Gegenteil. Es gibt etliche astrologische „Schulen“: Zumeist wird der Geburtszeitpunkt als eigentlicher Beginn des Einsetzens bestimmender kosmischer Wirkungen gesehen, teilweise aber der Zeugungszeitpunkt; die eine Schule propagiert, man möge prinzipiell keine astrologischen Prognosen stellen, andere schon. Die einen nehmen auch Sterne für ihre Deutungsschemata auf, andere nicht. Die einen schließen die in den letzten Jahrhunderten von Astronomen gefundenen Planeten aus (Uranus, Neptun), die meisten anderen schließen diese ein usw. Außerdem gibt es eine chinesische, indische etc. Astrologie, die sich von den „westlichen“ Astrologielehren unterscheiden.

 


Behauptung 4: „Astrologie bedarf keiner Rechtfertigung; die „Wirkungen“ kosmischer Körper, wenngleich ihrer Natur nach unerkannt, verstehen sich sozusagen von selbst.“

 

Fragen nach den Grundlagen der Astrologie werden entweder gar nicht oder ausweichend beantwortet: „Man darf die Astrologie nicht nach Maßstäben der Wissenschaft beurteilen“, hört man häufig seitens der Astrologen. Fazit: Kein (demokratischer) Politiker, kein Wirtschaftsfachmann, kein Wissenschaftler, kein Produzent oder Kaufmann ist der Kritik an seiner Arbeit, seinem öffentlichen Tun oder der Qualität seiner Produkte so entzogen wie der Astrologe (oder Vertreter ähnlicher Dogmen).

 


Behauptung 5: „Unter den Anhängern der Astrologie gibt es zahlreiche Akademiker; so falsch kann daher das astrologische Gebäude von vornherein nicht sein.“

 

Tatsächlich findet man etliche hochintelligente Leute bei den Astrologie-Gläubigen, vor allem Ärzte, Juristen, Ingenieure. Intelligenz und die übliche (hohe) Bildung schützt freilich keineswegs vor psychologischen Wirkungen, die in der Astrologie eine ganz entscheidende Rolle spielen (siehe unten). Weiß man um diese Art von Wirkungen, kann man sich ihnen einigermaßen entziehen.

 

 

Behauptung 6: „Astrologie wird von vielen Menschen als eine Lehre angesehen, an der zumindest etwas dran sei. Kann denn ein erheblicher Teil der Bevölkerung irren?“

 

Menschen sind „ich-bezogen“. Sie wollen irgendetwas „über sich wissen“: Warum leide ich, gerade ich? Wieso ist mir dieses oder jenes passiert? Was wird mit mir und meinen Lieben einmal passieren? etc. Die Wissenschaft kann derartige Fragen nicht beantworten und versucht dies zumeist gar nicht erst. Die Astrologie nimmt allerdings für sich in Anspruch, derartige Fragen beantworten zu können und befriedigt damit ein „Grundbedürfnis“ vieler Menschen. Die Anmaßung, eine Antwort geben zu können, bedeutet jedoch keineswegs, dass diese Antwort auch korrekt ist.

 


Behauptung 7: „Die Stellung gewisser Himmelskörper im Tierkreiszeichen ist, im Hinblick auf Geburtszeitpunkt und -ort, von Bedeutung für einen eben geborenen Menschen.“

 

Das Schema von Tierkreiszeichen (und Sternbildern) wurde zu einer Zeit erstellt, als die Menschen unter anderem noch nichts von einer „Räumlichkeit“ des Himmels wussten. In Wirklichkeit haben die Sterne, die die einzelnen Tierkreiszeichen bzw. Sternbilder definieren, überhaupt nichts miteinander zu tun, da sie in vollkommen verschiedenen Entfernungen stehen; nur die Phantasie (und Unkenntnis) der Menschen haben zwischen diesen Sternen „Verbindungen“ geschaffen. Somit ist eine wesentliche Grundlage der Astrologie von vornherein absurd.

 


Behauptung 8: „Der Stellung von Planeten kommt eine überragende Bedeutung in der Astrologie zu.“

 

Ganz egal, auf welche Art auch immer die von der Astrologie behauptete „Verbindung“, „Entsprechung“ oder dergleichen zwischen Planeten und dem neugeborenen Mensch beschaffen sein soll: Wenn man z.B. den größten Planeten (Jupiter) und den in der Astrologie von mehreren „Schulen“ ebenfalls verwendeten Zwergplaneten Pluto hernimmt und Größe und Entfernung relativiert, dann entspräche dem Riesenplaneten Jupiter zum Beispiel ein „Fußball“ in etwa 1,5 Kilometer Entfernung und dementsprechend dem Pluto ein „Tennisball“ in 150 Kilometer (!!) Entfernung. Noch dazu kennen die Astronomen den Aufbau der Planeten bzw. Zwergplaneten ziemlich genau: Pluto besteht z.B. aus lockerem Felsmaterial mit sehr viel Wasser-Eis – Er ist sozusagen ein gefrorener runder Eis/Fels-Klumpen mit Verunreinigungen. Soll man tatsächlich annehmen, dass auch die Stellung dieses kleinen, extrem weit entfernten Eis/Fels-Klumpens irgendeine namhafte Bedeutung für einen eben geborenen Menschen haben sollte?

 

Außerdem: Warum sollten besonders die Planeten bzw. deren Stellung von Bedeutung sein? Und warum nur diese, nicht aber zum Beispiel die Riesenmonde des Jupiter oder Saturn, von denen etliche um vieles größer als Pluto und einige sogar größer als der Planet Merkur sind, die aber allesamt keine Rolle in der Astrologie spielen?

 

 

Behauptung 9: „Menschen, bei denen etwa Mars dominiert, neigen eher zu Unbeherrschtheit und Aggression; die Menschen, bei denen Pluto dominiert, müssen eher Unglück und negative Einflüsse fürchten“ usw. usw.

 

Mars hat man mit Krieg und Aggression assoziiert und zwar wegen seiner rötlichen Farbe („Blut“). In Wirklichkeit ist Mars ein ruhiger Wüstenplanet, dessen zum Teil eisenhaltige Sande durch „Rost“ eine leicht rötliche Färbung angenommen haben. Was soll daher dieser Planet, nach heutigem Stand, mit Krieg und Aggression zu tun haben? Oder Pluto, der „Höllenfürst“, erst 1930 durch Astronomen entdeckt: Was ist, wenn die Astronomen diesen Zwergplaneten nicht „Pluto“, sondern z.B. „Amor“ (Gott der Liebe) genannt hätten – oder dies heute täten? Würde sich dann die astrologische Bedeutung plötzlich ins Gegenteil verkehren?

 


Behauptung 10: „Die „Sterne“ sagen uns …“

Viele Astrologie-Anhänger wissen gar nicht, dass „Sterne“ eine höchst untergeordnete Rolle in der Astrologie spielen. Der Grund (den die Astrologen kennen und sie veranlasst hat, „Sterne“ aus dem astrologischen Deutungsschema weitgehend oder gänzlich auszuklammern): Vor mehr als 2 Jahrtausenden waren Tierkreiszeichen und Sternbilder noch ident. Durch die „Präzession“ der Erdachse (also dem langsamen Auswandern der Erdachse, die am Himmel eine Ellipse beschreibt, die in 25.000 Jahren einmal durchlaufen wird) haben sich Tierkreiszeichen und Sternbilder um eine ganze Einheit verschoben. Folglich kann man die Sterne der Sternbilder (etwa des Widders) wohl schwer verwenden, weil das „Sternbild Widder“ dadurch woanders als das Tierkreiszeichen „Widder“ liegt.

 


Behauptung 11: „Ganz egal, was man gegen die Astrologie einwenden möchte, die Horoskope stimmen doch, nicht selten verblüffend genau!“

Dafür gibt es mehrere Gründe:


1) Besonders in kurzen Horoskopen wird zumeist einer negativen Möglichkeit oder Tendenz eine positive gegenübergestellt. Treffsicherheit folglich von vornherein schon 50 %.


2) Längere Individualhoroskope wimmeln von aus der Psychologie bekannten sogenannten „Barnum-Aussagen“. Das sind völlig allgemeine Aussagen, die aber so formuliert werden, dass man sie für ganz auf sich persönlich zutreffend hält. Diese Wirkung ist intelligenz-unabhängig!


3) In der Erinnerung wirkt ein Horoskop auch deswegen so zutreffend, weil die „selektive Erinnerung“ einsetzt; das bedeutet, dass man zutreffende Vorhersagen oder Charakterisierungen deutlich besser im Gedächtnis behält als Unzutreffendes. Auch diese Wirkung ist intelligenz-unabhängig!


4) Längere Individualhoroskope beinhalten eine Reihe von Ausdrücken, die interessant und vielsagend klingen, z.B. „Aszendent“, „Quadratur“ usw. Eine derartige Wortwahl unterstützt daher noch den Eindruck, dass Horoskope „glaubwürdig“ klingen.


5) Manche Horoskop-Gläubige vertrauen dem Horoskop viel mehr als allem anderen und versuchen, ihre Handlungen und ihren Charakter an das anzupassen, was ihnen dort zugeschrieben wird. So etwas, falls erfolgreich, fällt unter den Begriff „selbsterfüllende Prophezeiung“.


6) Lässt man sich gar auf ein persönliches Gespräch mit einem Astrologen ein, so muss man sich bewusst sein, dass auch durch die sehr gute Menschenkenntnis dieser Leute eine Einschätzung erfolgt, die automatisch häufig genug verblüffend genau ist.
Heutzutage werden alle diese obigen Punkte gerne dafür verwendet, sogenannte psychologische Astrologie zu betreiben. Dabei wird die seelische Notlage nicht weniger Personen dazu benutzt, unter dem Mäntelchen der Astrologie Seelenmassage zu betreiben. Das sollte man aber den dafür ausgebildeten Fachleuten (Psychologen, Therapeuten, Psychiater) überlassen.

 

In Anbetracht der obigen Aufzählung ist es kein Wunder, dass Horoskope sozusagen „stimmen“ bzw. „wirken“ und es ist daher erklärbar, warum viele Menschen von dieser gänzlich unsinnigen „Lehre“ etwas halten oder gar davon unerschütterlich überzeugt sind.

 


Behauptung 12: „In praktisch jeder Zeitung findet man Horoskope: Auch die stimmen doch ganz gut, obwohl sie kurz sind.“

 

Sogenannte „seriöse“ Astrologen wissen ganz genau, dass alle Zeitungshoroskope nach ihren Maßstäben absurd sind. Der Grund: Man benötigt für ein „seriöses“ Horoskop nicht nur den Geburtszeitpunkt, sondern auch den Geburtsort des Individuums. Da der Geburtsort im Falle eines Zeitungshoroskops den Horoskop-Erstellern unbekannt sein muss, haben derartige Horoskope allenfalls Unterhaltungswert. Warum wird aber der Unsinn der Zeitungsastrologie von den Astrologen nicht in der Öffentlichkeit bekannt gegeben? Und was das „stimmen“ betrifft: Die sind eben so formuliert, dass sie von vornherein ziemlich gut stimmen (müssen).

Weitere Gegenargumente:

  • Es gibt zahlreiche statistische Erhebungen, die zeigen, dass zum Beispiel astrologische Prognosen ebenso gut durch Würfeln erzeugt werden können: Je genauer die astrologischen Prognosen formuliert worden sind – also je konkreter -, umso entlarvender sind die Ergebnisse für die Astrologen.

 

  • Zahlreiche andere Erhebungen zeugen auch davon, was von Grundaussagen der Astrologie zu halten ist: etwa, wie dauerhaft die Ehen von Partnern, die von ihren „Zeichen“ her gar nicht oder sehr gut zusammenpassen müssten, sind. Ergebnis: Die Scheidungsraten (bzw. die Dauerhaftigkeit der Ehen) sind praktisch dieselben.

 

  • Zwillinge (zwei-eiige): Diese sind so verschieden in Körperbau, Fähigkeiten und Charakter, wie zwei zu ganz verschiedenen Zeiten geborene Geschwister. Da die Geburt solcher Zwillinge innerhalb von sehr kurzer Zeit erfolgt, sollten doch praktisch dieselben „kosmischen Wirkungen (oder Entsprechungen/Potentiale etc.)“ stattgefunden haben. Wie passt denn das Eine mit dem Anderen zusammen?

 

  • Der Geburtszeitpunkt ist heute medikamentös verschiebbar; das wird sogar relativ häufig so gemacht. Das heißt, man könnte also ohne Weiteres die Geburt hinsichtlich der Stellung für die Astrologie wesentlicher Himmelskörper verschieben. Soll man nun wirklich glauben, dass die (zu einem Gutteil vererbten) Eigenschaften urplötzlich dann eine andere Gewichtung erfahren können?

 

  • Apropos Geburtszeitpunkt und Einsetzen kosmischer „Wirkungen“: Sollte man wirklich daran glauben, dass durch die paar Zentimeter Bauchdecke und Fruchtwasser der Mutter diese kosmischen „Wirkungen“ abgeblockt werden, bei der Geburt – etwa in einem Krankenhaus – diese „Wirkungen“ aber plötzlich selbst Betonwände durchdringen können?

 

  • Was Geburten in einer die Erde umkreisenden Weltraumstation betrifft: In einigen Jahrzehnten wird es wohl soweit sein. Dann kennt man wohl den Geburtszeitpunkt (nur wenn man sich auf die „Weltzeit“ bezieht), wegen der sich gegenüber dem Himmelshintergrund schnell verschiebenden Weltraumstation verliert man aber einen klar definierten Geburtsort. Damit bricht ein wesentlicher Pfeiler der Astrologie (der „genaue Ort“ bei der Geburt) weg. Was dann?

Zum astrologischen Umfeld:

  • Auch die weit verbreiteten „Mondbücher“ (vom „richtigen Zeitpunkt“ usw.) sind nachweislich keinesfalls „jahrtausendealtes Bauernwissen“. Längst wurde durch umfangreiche Untersuchungen zum Beispiel festgestellt, dass die günstigste Zeit der Baumschlägerung rein gar nichts mit dem „Mond“ zu tun hat.

  • Auch Operationsfolgen haben nichts mit dem Mond zu tun. Etliche andere behaupteten, vom Mond angeblich abhängigen biologischen Gegebenheiten sind schlichtweg Fantasie.

  • Besonders unsinnig ist die Forderung, sich die Frisur zu einem „mondmäßig“ günstigen Zeitpunkt machen zu lassen – denn das Haar ist ein totes Gewebe und schert sich alleine deswegen schon nicht um den Mond.

  • Allerdings hat der Mond sehr wohl eine Reihe von Wirkungen auf die Erde (hier kann die Wissenschaft Auskunft geben) und – psychologisch – natürlich auch auf dafür empfängliche Menschen, zum Beispiel wenn man einen schönen Spaziergang im Mondschein unternimmt.

Zum Autor

Dr. Ronald Weinberger studierte Astronomie und im Nebenfach Physik an der Universität Wien, wo er 1972 promovierte. Danach war er einige Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg tätig. 1977 kam er an die Universität Innsbruck, wo er 1983 habilitierte. 1992 wurde er zum Ao. Universitätsprofessor ernannt. Er war dort einige Jahre Institutsvorstand und auch Vorstandsmitglied in der Astronomischen Gesellschaft. Seit 2011 befindet er sich im Ruhestand.

Wir bedanken uns für den zur Verfügung gestellten Artikel!

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