Wenn die Kirche auf uns hört

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Am 26. 1. 2021 erschien unser Beitrag über die neuen Kirchenstatistiken beim Humanistischen Pressedienst. Er traf dort auf großes Interesse und war zeitweise der meistgelesene Beitrag.

 

Einen Tag später teilte ihn auch Niko Alm, der berühmte Pastafari, auf seiner Facebook-Seite, und der Wissenschaftsblogger Florian Aigner auf Twitter. Ob die katholische Kirche Österreichs den Humanistischen Pressedienst, Niko Alms Facebook-Seite oder Florian Aigner auf Twitter liest, wissen wir nicht – jedenfalls war die von den beiden Bloggern hervorgehobene grafische Manipulation, die umgedrehte Jahresachse der Erstkommunionen und Firmungen, am späten Nachmittag des 27. 1. bereits korrigiert, ohne auf die Änderung hinzuweisen.

 

Die Aktivität auf Twitter weist darauf hin, dass die Information zumindest auch dort zu den Zuständigen bei der Kirche gelangte:

Wenn die Kirche auf uns hört 1

Paul Wuthe, der Chefredakteur von Kathpress und gleichzeitig Medienreferent der Bischofskonferenz hat die halbherzige Entschuldigung auf Twitter ausgeschickt, aber nur als Antwort, nicht in seiner Haupt-Timeline.

 

Auf der Kathpress-Seite wird auf den Ehrenkodex des Presserats verwiesen, dem die Nachrichtenagentur ihrer Selbstdarstellung zufolge verpflichtet ist. Punkt 2.4: „Sobald einer Redaktion zur Kenntnis gelangt, dass sie eine falsche Sachverhaltsdarstellung veröffentlicht hat, entspricht eine freiwillige Richtigstellung dem journalistischen Selbstverständnis und Anstand.“

 

Nach der Korrektur des Diagramms begannen die Vorwürfe, wir (bzw. der Humanistische Pressedienst) würden Fake News verbreiten. Natürlich haben wir Screenshots der Diagramme auf der katholischen Statistikseite gespeichert und geben das ursprüngliche Diagramm mit Bezug aufs Zitatrecht hier wieder:

Wenn die Kirche auf uns hört 2

Dies ist das Diagramm, das am 27. 1. korrigiert wurde und bis dahin online war. Auf der Seite der Kirche ist die Skala jetzt richtig, und damit der starke Rückgang gut sichtbar. 

 

Wir haben aber auf deutlich mehr Probleme hingewiesen, sowohl mit der Datenerhebung, als auch mit weiteren Diagrammen. Die beiden anderen problematischen Diagramme sind aktuell (30. 1.) weiterhin nicht korrigiert.

 

Beim Treemap hat sich nichts geändert. Die Kategorie „Gesamt“ nimmt noch immer die Hälfte des Diagramms ein, die einzelnen Bundesländer somit nur die Hälfte der Fläche, die sie eigentlich bezogen auf Österreich darstellen müssten. Der Zweck des Diagramms wird damit klar verfehlt, so ist es nur ein Deko-Element.

 

Das Diagramm mit den Trauungen wurde in ein klassisches, nach oben wachsendes Balkendiagramm umgewandelt. Das war aber nicht das größte Problem! Da die herunterladbaren Statistik-PDF-Dateien der Kirche auch so aussehen, nehmen wir an, daß die zugrundeliegende Tabellenkalkulationsdatei folgende Spalten enthält: Trauungen gesamt / Mischehen / Formdispens. Um ein gestapeltes Balkendiagramm daraus zu erstellen, darf man nicht diese drei Spalten dafür übernehmen, weil die Balken dann die Gesamtzahl und darüber hinaus die beiden anderen Kategorien enthalten und somit deutlich höher als die Gesamtzahl sind. Dies ist noch nicht behoben, das Diagramm in einer peinlichen Weise falsch.

 

Es kann natürlich sein, dass die Diagramme in nächster Zeit verbessert werden. Das begrüßen wir ausdrücklich – es liegt im Interesse von uns allen, dass richtige Zahlen ohne grafische Verzerrungen offen kommuniziert werden.

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